Wendelin Niedlich +
1. August 1927 – 7. März 2022.

Als kleines Kind ging ich mit meiner Mom in seinen Buchladen, dort konnte man sich wunderbar hinter Bücherstapeln verstecken. Wendelin koketierte mit meiner Mom. Das war die Zeit, als meine Mom studierte und mir beibrachte, dass man nicht bei Wittwer Bücher kauft, sondern bei Niedlich und dass das ein politischer Akt war das zu tun.

 
Als ich dann selbst studierte, ging ich oft spät abends ins Café Weiss und lernte so Wendelin noch mal anders kennen. Er flirtete unablässig und er gab mir manch ein Rotweinschorle aus, am Stammtisch von Ranko dazu regelrecht angeleitet.
 
Ruhe in Frieden. Du hast Stuttgart zu einem guten Ort gemacht. Nicht nur weil dein Buchladen echt was besonders war. Immer wenn ich am letzten Standort vorbei laufe denke ich an Dich und den Laden und bin immer noch irritiert, dass dort jetzt irgendwas von Kletterausrüstung bis Undifinierbares verkauft wird. Und nicht Bücher.
 
Danke, dass Du Teil meiner Studentinnenzeit warst. Zumindest spät Nachts, wenn ich nach meinem Job, unfähig noch Verabredungen zu treffen (ja, vor WhatsApp und Handy war das irgendwe anders) noch Leute um mich rum haben wollte, die was anderes machten als ich. Du warst es auch, der mich an den Stammtisch holte. Als ich in der Ecke sass und Skizzen machte. Von dem Tag an, wusste ich, es ist immer irgendwer im Café Weiss und ich kann vorbei schau’n und tiefe oder flüchtige Gespräche haben. Wenn Du da warst, fühlte ich mich sicher und ok. Ruhe in Frieden Wendelin.
fb 7.3.22